Page 175 - Gesundheitliche-Auswirkungen-5G
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STOA | Panel for the Future of Science and Technology Health impact of 5G
7. Politische Optionen
Die politischen Optionen, die sich aus dem vorliegenden Bericht ergeben - für die 5G-Frequenzen (700 MHz, 3600 MHz, 26 GHz) und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die 2G-, 3G- und 4G-Frequenzen noch viele Jahre lang genutzt werden - werden im Folgenden dargestellt.
7.1 Entscheidung für eine neue Technologie für Mobiltelefone, die eine Ver- ringerung der HF-Belastung ermöglicht
Die Quelle von HF-Emissionen, die gegenwärtig die größte Bedrohung darzustellen scheint, ist das Mobiltelefon. Ob- wohl Sendeanlagen (Funkmasten) von manchen Menschen als das größte Risiko wahrgenommen werden, geht die größte Belastung für den Menschen im Allgemeinen von seinem eigenen Mobiltelefon aus, und epidemiologische Studien haben eine statistisch signifikante Zunahme von Hirntumoren und Schwann-Zelltumoren der peripheren Nerven beobachtet, vor allem bei Vieltelefonierern.
Wir müssen also dafür sorgen, dass immer sicherere Telefongeräte hergestellt werden, die wenig Energie abgeben und möglichst nur in einem bestimmten Abstand zum Körper funktionieren. Die kabelgebundene Hörmuschel löst einen Großteil des Problems, ist aber unbequem und schreckt daher die Nutzer ab; andererseits ist es nicht immer möglich, eine Freisprecheinrichtung zu verwenden.
Die Option, die HF-EMF-Exposition im Zusammenhang mit Telefonen so weit wie möglich zu verringern, gilt nach wie vor für alle Frequenzen, von 1G bis 5G. Länder wie die USA und Kanada, in denen strengere SAR-Grenzwerte für Mobiltelefone gelten als in Europa, waren dennoch in der Lage, effiziente 2G-, 3G- und 4G-Kommunikation aufzu- bauen (Madjar, 2016). Da 5G energieeffizienter sein soll als die vorherigen Technologien, ist die Annahme strengerer Grenzwerte in der EU für Mobilfunkgeräte gleichzeitig ein nachhaltiger und vorsorgender Ansatz.
7.2 Überarbeitung der Expositionsgrenzwerte für die Öffentlichkeit und die Umwelt, um die HF-Exposition durch Mobilfunkmasten zu verringern
In jüngster Zeit hat die europäische Politik (Europäische Kommission, 2019) die Nachhaltigkeit eines neuen wirt- schaftlichen und sozialen Entwicklungsmodells gefördert, das neue Technologien nutzt, um den Gesundheitszustand des Planeten ständig zu überwachen, einschließlich des Klimawandels, der Energiewende, der Agrarökologie und der Erhaltung der biologischen Vielfalt. Die Verwendung der niedrigsten 5G-Frequenzen und die Einführung von vor- sorglichen Expositionsgrenzwerten, wie sie unter anderem in Italien, der Schweiz, China und Russland gelten und die deutlich unter den von der ICNIRP empfohlenen Werten liegen, könnten dazu beitragen, diese europäischen Nach- haltigkeitsziele zu erreichen.
Was epidemiologische Studien bereits 2011 gezeigt haben (IARC, 2013), wurde durch Studien an Labortieren bestä- tigt, insbesondere hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen der Exposition gegenüber HF-EMF und der krebserre- genden Wirkung im Nervensystem. Das derzeit in Europa zulässige Sicherheitsniveau beträgt 61 V/m (ICNIRP, 2020a). Die niedrigste Dosis, bei der diese Wirkungen bei Fernfeldexposition experimentell beobachtet wurden, be- trägt 50 V/m. In derselben experimentellen Studie (Falcioni et al., 2018) wurde eine krebserregende Wirkung bei 5 V/ m beobachtet.
In Anbetracht dieses Ergebnisses könnte eine politische Option darin bestehen, die Expositionshöchstwerte für Wohngebiete und die Öffentlichkeit in ganz Europa zu überarbeiten. Die Werte könnten um mindestens das Zehnfa- che gesenkt werden, d. h. auf etwa 6 V/m, ein Expositionsniveau, bei dem keine krebserregenden Wirkungen bei Ver- suchstieren beobachtet wurden. 6 V/m scheint auch der Vorsorgegrenzwert zu sein, wenn der keine negativen Aus- wirkungen auf die Fruchtbarkeit zu befürchten sind. Das mag unpraktisch niedrig klingen, wenn wir die Telekommu- nikation um 5G erweitern wollen, aber das ist nicht der Fall.
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